Forschungsbedarf

Medizinische Implantate nehmen in der modernen Medizin einen breiten Raum zur Funktionswiederherstellung ausgefallener Körperfunktionen ein. Damit lassen sich sowohl die Lebensqualität entscheidend verbessern als auch die anfallenden Behandlungskosten erheblich senken. Aufgrund der demographischen Entwicklung gekennzeichnet durch steigende Lebenserwartung der Bevölkerung steigt der Bedarf an medizinischen Implantaten in nahezu allen Fachbereichen kontinuierlich an.

Die große volkswirtschaftliche Bedeutung der Medizintechnik und speziell des Sektors der medizinischen Implantate wird anhand des Umsatzvolumens deutlich. Bei einem geschätztem Weltmarkt (2009) von ca. 260 Mrd US $ jährlich entfallen 30 % auf den europäischen Markt, auf Deutschland als drittgrößtem nationalen Markt ca. 23 Mrd US $ mit jährlichen Wachstumsraten je nach Branche zwischen 6 und 20%. Dieses Wachstum ist sowohl dem medizinisch-technischen Fortschritt als auch dem wachsenden Bedarf aufgrund der demographischen Entwicklung geschuldet. Dies trifft insbesondere für die Bereiche Gelenkersatz, kardiovaskuläre Implantate, Dentalersatz sowie Hörimplantate zu.

Die deutsche medizintechnische Industrie wird dabei sowohl durch einige große Weltunternehmen als auch durch zahlreiche kleine Spezial- und mittelständige Unternehmen charakterisiert. Die starke Exportlastigkeit und die in manchen Bereichen weltweit führende Stellung ist dauerhaft jedoch nur durch schnelle Produktinnovationen und kurze Produktzyklen zu halten und auszubauen, was sich in einem hohen Ausgabenanteil für Forschung und Entwicklung niederschlägt. Von dem zuständigen Bundesministerium für Bildung und Forschung wird die Medizintechnik als eine der Zukunftstechnologien gewertet.

Innovationen in der Medizintechnik müssen heute bedarfsorientiert und nicht in erster Linie technikorientiert ausgerichtet sein. Angesichts der knapper werdenden Mittel auch im Gesundheitswesen sind Innovationen stets im Hinblick auf ihren Zusatznutzen für den betroffenen Patienten auszurichten und die verschärften gesetzlichen und regulatorischen Bestimmungen entwicklungsbegleitend einzuhalten. Um die im globalen Maßstab exzellente Stellung der deutschen Medizintechnik langfristig zu halten und abzusichern sowie das hohe Entwicklungspotential zu nutzen, müssen an geeigneten Standorten exzellente Forschungsbedingungen als Basis für zukünftige Produktentwicklungen geschaffen werden. Der Sonderforschungsbereich 599 Biomedizintechnik bündelt die am Standort Hannover vorhandenen Aktivitäten auf dem Gebiet der Implantatforschung und –entwicklung und hat bereits zu zahlreichen zusätzlichen Forschungsverbünden, Infrastrukturmaßnahmen und Initiativen in der Lehre geführt.